Schwer versicherbare Immobilien
Vorschadenquote: Wie Versicherer den Schadenverlauf bewerten
Was bedeutet Vorschadenquote?
Die Vorschadenquote ist die Schadenquote der vergangenen Versicherungsjahre – betrachtet aus Sicht eines Versicherers, der das Risiko neu übernehmen oder verlängern soll. Sie zeigt, in welchem Verhältnis die bisherigen Schäden zu den bisher gezahlten Prämien stehen. Damit ist sie eine der wichtigsten Kennzahlen bei einer Neuplatzierung oder einer Ausschreibung.
Wie wird die Vorschadenquote ermittelt?
Grundlage ist die Schadenstatistik des bisherigen Versicherers, häufig für die letzten drei bis fünf Jahre. Sie enthält je Schaden Datum, Ursache, Zahlungen und Reserven. Aus der Summe des Schadenaufwands und der Summe der Prämien ergibt sich die Quote. Wie bei der Schadenquote gilt: Versicherer rechnen nicht einheitlich, etwa bei Reserven, Regulierungskosten oder der Behandlung von Großschäden.
Warum ist die Vorschadenquote so wichtig?
Ein neuer Versicherer kennt das Gebäude nicht aus eigener Erfahrung. Die Schadenhistorie ist deshalb sein wichtigster Anhaltspunkt für künftige Schäden. Eine hohe Vorschadenquote führt häufig zu höheren Prämien, höheren Selbstbehalten, Auflagen oder Absagen. Feste Grenzwerte gibt es nicht; die Bewertung hängt vom Versicherer, vom Risiko und von den Schadenursachen ab.
Was beeinflusst die Bewertung neben der Quote?
- Ursachen: Ein einmaliger Großschaden durch Blitzschlag wird anders bewertet als wiederkehrende Rohrbrüche.
- Schadenfrequenz: Viele kleine Schäden deuten auf strukturelle Probleme hin (Schadenfrequenz).
- Maßnahmen: Nachgewiesene Sanierungen, etwa der Austausch von Steigleitungen, können eine hohe Quote relativieren (Risikosanierung).
- Entwicklung: Ein sich verbessernder Verlauf wird anders gesehen als ein sich verschlechternder.
Was bedeutet das für Hausverwaltungen und Eigentümer?
Wer eine Gebäudeversicherung wechseln muss oder will, sollte die Schadenstatistik frühzeitig anfordern und auf Vollständigkeit und Plausibilität prüfen. Offene Schäden mit hohen Reserven sollten nach Möglichkeit abgeschlossen werden. Entscheidend ist, die Vorschäden nicht nur als Zahl, sondern mit Ursachen und ergriffenen Maßnahmen darzustellen. Mehr dazu im Fachartikel Gebäudeversicherung mit Vorschäden.
Häufige Fehler
- Unvollständige oder veraltete Schadenstatistiken werden eingereicht.
- Vorschäden werden verschwiegen – das kann gegen die vorvertragliche Anzeigepflicht verstoßen.
- Ursachen und Sanierungen werden nicht dokumentiert.
Mehr zu unserer Unterstützung bei auffälligem Schadenverlauf: Schwer versicherbare Immobilien.
Häufig gestellte Fragen
Wie viele Jahre umfasst die Vorschadenquote?
Häufig werden drei bis fünf Jahre betrachtet. Einzelne Versicherer fragen auch längere Zeiträume oder alle Schäden einer bestimmten Größe ab.
Muss ich Vorschäden beim neuen Versicherer angeben?
Fragt der Versicherer in Textform nach Vorschäden, müssen diese nach § 19 VVG wahrheitsgemäß angegeben werden. Falsche Angaben können Rechte des Versicherers bis hin zum Rücktritt auslösen.
Ist eine hohe Vorschadenquote ein Ausschlusskriterium?
Nicht automatisch. Ob ein Risiko angenommen wird, hängt von Ursachen, Maßnahmen, Versicherer und Vertragsgestaltung ab.
Verwandte Begriffe
Versicherungsschutz für Ihre Immobilien prüfen
Wir prüfen Versicherungssummen, Deckungsumfang und Vertragsbedingungen Ihrer Objekte strukturiert – unabhängig und ohne Tarifrechner.
