Schadenmanagement
Schadenhistorie: Warum der Schadenverlauf über Versicherbarkeit entscheidet
Was ist eine Schadenhistorie?
Die Schadenhistorie dokumentiert, welche Schäden an einem Gebäude oder in einem Bestand in der Vergangenheit eingetreten sind. Sie umfasst typischerweise Schadendatum, Schadenart, Ursache, gezahlte Beträge, Reserven für offene Schäden und den Bearbeitungsstand. Im Versicherungsalltag spricht man häufig auch vom Schadenverlauf.
Wofür wird die Schadenhistorie verwendet?
- Verlängerung: Der bisherige Versicherer entscheidet anhand des Verlaufs über Fortführung, Beitrag und Auflagen.
- Wechsel und Ausschreibung: Neue Versicherer bewerten das Risiko anhand der Vorschadenquote und der Ursachen.
- Risikomanagement: Eigentümer und Verwalter erkennen wiederkehrende Ursachen und priorisieren Investitionen.
- Kennzahlen: Aus der Historie werden Schadenquote und Schadenfrequenz abgeleitet.
Was macht eine gute Schadenhistorie aus?
Eine gute Schadenhistorie ist nicht unbedingt eine schadenfreie, sondern eine nachvollziehbare. Versicherer bewerten deutlich besser, wenn zu jedem Schaden die Ursache, die getroffene Maßnahme und der aktuelle Zustand dokumentiert sind. Ein wiederkehrender Rohrbruch an derselben Steigleitung ohne Sanierung ist ein Warnsignal; derselbe Verlauf mit nachgewiesener Strangsanierung kann deutlich positiver gesehen werden.
Beispiel aus der Praxis
Eine Hausverwaltung erhält für eine Wohnanlage mit 40 Einheiten eine Kündigung zum Ablauf. Die Statistik des Versicherers zeigt sieben Leitungswasserschäden in vier Jahren. Erst die Auswertung ergibt: Fünf Schäden stammen aus einem Strang, der inzwischen erneuert wurde, zwei Schäden sind noch mit hohen Reserven offen, obwohl sie längst abgeschlossen sind. Mit bereinigter Statistik und Sanierungsnachweis lässt sich das Risiko am Markt deutlich besser darstellen.
Was bedeutet das für Hausverwaltungen?
Für Hausverwaltungen ist die Schadenhistorie ein zentrales Steuerungsinstrument. Sinnvoll ist eine eigene Schadendokumentation je Objekt, die regelmäßig mit der Statistik des Versicherers abgeglichen wird. Ein strukturiertes Schadenmanagement sorgt dafür, dass Schäden vollständig gemeldet, zeitnah abgeschlossen und Ursachen festgehalten werden.
Was bedeutet das für Eigentümer?
Für Eigentümer und Bestandshalter beeinflusst die Schadenhistorie unmittelbar die Versicherungskosten und die Frage, ob ein Gebäude dauerhaft zu angemessenen Bedingungen versicherbar bleibt. Bei Verkauf oder Ankauf ist sie außerdem ein wichtiger Teil der Due Diligence.
Häufige Fehler
- Die Statistik des Versicherers wird ungeprüft übernommen.
- Abgeschlossene Schäden stehen noch mit Reserven in der Statistik.
- Ursachen und Sanierungen sind nicht dokumentiert.
- Vorschäden werden bei einem neuen Versicherer unvollständig angegeben (Anzeigepflicht).
Weiterführend: Gebäudeversicherung mit Vorschäden: Welche Möglichkeiten gibt es?
Häufig gestellte Fragen
Wie bekomme ich die Schadenhistorie meines Gebäudes?
Versicherungsnehmer können beim Versicherer oder über ihren Makler eine Schadenstatistik anfordern. Sie sollte mit den eigenen Unterlagen abgeglichen werden.
Wie weit reicht die Schadenhistorie zurück?
Für Versicherer sind meist die letzten drei bis fünf Jahre ausschlaggebend. Größere Schäden werden teils auch darüber hinaus abgefragt.
Geht die Schadenhistorie beim Verkauf auf den Käufer über?
Die Historie ist an das Gebäude gebunden. Ein Käufer wird sie bei Neuabschluss gegenüber seinem Versicherer angeben müssen, wenn danach gefragt wird.
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