Wertermittlung
Versicherungswert 1914: Bedeutung in der Gebäudeversicherung
Was bedeutet Versicherungswert 1914?
Der Versicherungswert 1914 beschreibt, was ein Gebäude in gleicher Art und Güte neu kosten würde – ausgedrückt in Baupreisen des Jahres 1914. Er ist keine Preisangabe für ein reales Gebäude und sagt nichts über das Baujahr aus. Auch ein Neubau aus dem Jahr 2025 hat einen Wert 1914. Die Größe dient als feste Rechenbasis für die Versicherung zum gleitenden Neuwert, die in der Wohngebäudeversicherung verbreitet ist.
Wie funktioniert die Umrechnung?
Um aus dem Wert 1914 den heutigen Neubauwert abzuleiten, wird er mit einem Faktor multipliziert. Dieser Faktor bildet die Entwicklung der Baukosten seit 1914 ab und wird jährlich angepasst. In den Musterbedingungen des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) wird der Anpassungsfaktor zu 80 Prozent aus dem Baupreisindex für Wohngebäude und zu 20 Prozent aus dem Tariflohnindex für das Baugewerbe abgeleitet.
Aktueller Neubauwert ≈ Versicherungswert 1914 × Baupreisfaktor
Der Beitrag wird entsprechend aus dem Wert 1914, dem Beitragssatz und dem jeweils gültigen Anpassungsfaktor berechnet. Konkrete Faktoren unterscheiden sich je nach Versicherer und Jahr.
Warum ist der Wert 1914 für Eigentümer wichtig?
Ist der Wert 1914 korrekt ermittelt, wächst die Deckung automatisch mit den Baukosten. Ist er zu niedrig, bleibt das Gebäude trotz Faktoranpassung dauerhaft untersichert: Im Schadenfall kann der Versicherer die Entschädigung nach dem Verhältnis von Versicherungssumme zu tatsächlichem Versicherungswert kürzen (Unterversicherung). Viele Verträge sehen deshalb einen Unterversicherungsverzicht vor, wenn der Wert nach einem anerkannten Verfahren – etwa einem Wertermittlungsbogen oder einem Sachverständigengutachten – bestimmt wurde.
Wie wird der Wert 1914 ermittelt?
Üblich sind Summenermittlungsbögen des Versicherers, die Wohnfläche, Bauweise, Ausstattung, Keller, Dachgeschoss, Garagen und Besonderheiten abfragen. Alternativ kann ein Sachverständiger den Neubauwert ermitteln und auf die Preisbasis 1914 zurückrechnen. Bei großen, hochwertigen oder denkmalgeschützten Gebäuden ist eine individuelle Wertermittlung meist die bessere Grundlage.
Häufige Fehler
- Der Wert 1914 wird mit dem Kaufpreis oder Verkehrswert verwechselt.
- Ausbauten von Dach- oder Kellergeschoss werden nicht nachgemeldet.
- Alte Werte werden bei einem Versichererwechsel ungeprüft übernommen.
- Hochwertige Ausstattung oder Sonderbauteile werden nicht berücksichtigt.
Eine ausführliche Erklärung mit Rechenbeispielen bietet der Fachartikel Wert 1914 einfach erklärt. Ob die vereinbarte Summe ausreicht, lässt sich nur anhand des konkreten Gebäudes und Vertrags beurteilen.
Häufig gestellte Fragen
Ist der Wert 1914 der Betrag, den der Versicherer im Schadenfall zahlt?
Nein. Er ist eine Rechengröße. Ersetzt werden im Rahmen des Vertrags die tatsächlichen Wiederherstellungskosten zum aktuellen Preisniveau.
Warum ausgerechnet 1914?
Die Baukosten galten zu dieser Zeit als vergleichsweise stabil und eigneten sich deshalb als feste Bezugsgröße. Danach änderte sich das Preisniveau durch Krieg und Inflation stark.
Muss der Wert 1914 regelmäßig angepasst werden?
Die Preisentwicklung wird über den Faktor berücksichtigt. Der Wert selbst muss nur angepasst werden, wenn sich das Gebäude verändert, etwa durch Ausbau, Anbau oder Modernisierung.
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